Trecker, Erntekrone und "kostbares Salz": Landeserntedankfest in Berkenthin
Berkenthin. Geschmückte Trecker und Oldtimer, Musik auf den Straßen, ein Erntemarkt am Kanal und viele Menschen im ganzen Ort: In Berkenthin haben die Nordkirche und der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg am 4. Oktober 2026 gemeinsam das Landeserntedankfest gefeiert. Mehr als 400 Menschen kamen allein zum Gottesdienst in die Kirche. Viele verfolgten die Feier beim “Public Viewing” vor der Pastoratsscheune.
Schleswig-Holstein feiert in Berkenthin
Schon am frühen Vormittag war im ganzen Ort zu sehen, dass dieser Sonntag ein besonderer werden würde. Ein großer Festumzug führte durch Berkenthin. 20 geschmückte landwirtschaftliche Fahrzeuge waren dabei – moderne Trecker ebenso wie Oldtimer. Begleitet wurde der Zug von der Musikkapelle der Feuerwehr. Viele Berkenthinerinnen und Berkenthiner sowie Gäste säumten die Strecke und begleiteten den Umzug durch den Ort zur Maria-Madgalenen-Kirche.
Mit dabei waren auch die Landfrauen Berkenthin. Die Erntekrone für das Landeserntedankfest hatte die Landjugend Berkenthin gebunden. Sie stand sinnbildlich für das, worum es an diesem Tag ging: um die Ernte, die Arbeit in der Landwirtschaft – und um die Frage, was Menschen miteinander teilen und füreinander tun können.
“Eine Prise Salz reicht”
Der Tag stand unter dem Motto “Kostbares Salz”. Damit griff das Landeserntedankfest die Salzgeschichte Berkenthins und die Bedeutung des “weißen Goldes” für die Region auf.
Bischöfin Kirsten Fehrs nahm das Bild in ihrer Predigt auf. Salz sei weit mehr als ein Gewürz. “Eine Prise Salz reicht, um einen Unterschied zu machen. Im Wasser. In der Suppe. Und in einer Gemeinschaft.” Auch Jesus benutze dieses Bild: “‚Ihr seid das Salz der Erde!‘, sagt er in der Bergpredigt und traut uns ohne weiteres zu, diese Welt zu einem besseren und heilsamen Ort machen zu können.”
Wie das aussehen kann, war an diesem Tag auch in Berkenthin zu erleben: Menschen, die gemeinsam ein Fest vorbereiten, Verantwortung übernehmen und miteinander feiern. Angesichts wachsender gesellschaftlicher Polarisierung stellte Fehrs diesem Gemeinschaftsgefühl eine deutliche Botschaft entgegen.
“Die chronische Unzufriedenheit, dieses Schlechtreden und Schwarzsehen sind zu einer Art Volkssport geworden. Doch an einem Tag wie heute erleben wir, wie wunderbar menschenfreundlich und fröhlich sich das Gegengift anfühlt: Gemeinsam Salz sein und den Unmut heilen.”
Wertschätzung für die Landwirtschaft
Erntedank bedeute aber nicht nur Dankbarkeit für die Früchte der Erde. Fehrs rückte ausdrücklich diejenigen in den Mittelpunkt, die sie erzeugen. “Erntedank würdigt ausdrücklich auch die menschliche Arbeit und die hart erarbeitete Ernte.”
Gerade angesichts des Klimawandels trügen Landwirtinnen und Landwirte große Risiken. Als Dithmarscherin wisse sie, wie wenig letztlich vom Menschen selbst abhänge: “Wie sehr all das, was wir an Fülle vor uns sehen, ein unverfügbares Geschenk ist. Das uns satt macht – an Leib UND Seele.”
Aus der Wertschätzung für die Landwirtschaft leitete die Bischöfin auch eine Verantwortung für Verbraucherinnen und Verbraucher ab. “Es ist nicht egal, was und wo wir einkaufen. Wir müssen bereit sein, für nachhaltig erzeugte Lebensmittel mehr Geld zu bezahlen.” Biodiversität, gute Böden, Klimaschutz und Tierwohl gebe es nicht zum Nulltarif. "Darauf zu achten, heißt Salz zu sein für die Zukunft unserer Kinder."
Erntedank endet nicht am eigenen Gartenzaun
Fehrs weitete den Blick zugleich über Berkenthin und die heimische Landwirtschaft hinaus. Weltweit hungerten rund 700 Millionen Menschen, zwei Milliarden Menschen würden nie wirklich satt. Erntedank stelle deshalb auch die Frage nach einer gerechteren Verteilung.
“Was wäre, wenn wir gerechter teilen würden, was Gott der Welt geschenkt hat? Wenn die einen nicht darben müssten. Und die anderen nicht in ihrem Überfluss gleichgültig und überdrüssig werden würden und Lebensmittel möglichst billig kaufen wollen, um sie dann wegzuwerfen”, sagte Fehrs.
Grußworte im Anschluss an Gottesdienst
Nach dem Segen durch Bischöfin Fehrs leitete Wilko Teifke, der landeskirchliche Beauftragte der Nordkirche, durch die Grußworte zum Erntedankfest. Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg würdigte die Arbeit und den Einsatz der Menschen in der Landwirtschaft und in den ländlichen Dorfgemeinschaften: “Ernährungssicherheit beginnt nicht im Supermarkt, sie beginnt auf unseren Feldern, in den Ställen. Bei den Menschen, die jeden Tag dafür sorgen, dass Lebensmittel wachsen und dass sie uns ernähren.” Hinter jedem Hof, der verschwinde, stehe eine Geschichte. Schmachtenberg würdigte auch das Ehrenamt: “Freiwillige Feuerwehr, Landfrauen und Landjugend, Vereine und Kirchengemeinden halten das Dorf am Leben und zusammen.” Dies sei nicht selbstverständlich, wie auch der Zusammenhalt im gesamten Land. Beides müsse besonders geschützt werden.
Klaus-Peter Lucht, Vorsitzender des Landesbauerverbandes Schleswig-Holstein, schärfte unter anderem das Bewusstsein für die Lebensmittelpreise, die letztendlich dazu beitragen würden, ob landwirtschaftliche Betriebe überleben oder nicht. Er nahm in seinem Grußwort auch die europäische und globale Landwirtschaft und Ernährung in den Blick. Lucht erinnerte an die Verantwortung, für die Menschen zu sorgen, die nicht ausreichend mit Nahrung versorgt sind. Er machte außerdem auf das Aktionsbündnis Ländliche Räume aufmerksam, in dem sich unterschiedliche Gruppen und Verbände gemeinsam bei der Politik u.a. für Ernährungssicherheit, Bürokratieabbau und bessere Infrastruktur auf dem Land einsetzen.
In weiteren Grußworten sprachen Berkethins Bürgermeister Friedrich Thorn sowie Claudia Jürgensen, Präsidentin des Landfrauenverbandes Schleswig-Holstein. Jürgensen erinnerte an die Verantwortung der Verbraucherinnen und Verbraucher: “Mit unserer Kaufentscheidung, entscheiden wir darüber, welche Produkte in unserer Region Zukunft haben.” Viele gute Ideen und Impulse in der Landwirtschaft kämen von Frauen, betonte Jürgensen. “Oft beginnt es mit dem Satz ‘Wir könnten doch mal …’ - und das diesem Satz wird ein Hofladen, ein Café, eine neue Produktidee.” Sie dankte dem Engagement der Frauen und betonte, sich weiter für die Sichtbarkeit und bessere Strukturen für Frauen auf dem Land einsetzen zu wollen.
Bürgermeister Thorn hob besonders das ehrenamtliche Engagement im Ort hervor. “An Erntedank wollen wir daran erinnern, das Gemeinschaft wie ein gutes Feld ist. Sie muss gepflegt werden, damit etwas wachsen kann. Berkenthin ist so ein Feld.” Wie viele seiner Vorredner griff er das Bild des “kostbaren Salzes” auf: “Das Salz des Lebens ist Dankbarkeit, Zusammenhalt, Respekt und vor allem Zuversicht.”
3000 kamen zum Landeserntedankfest
Entlang des Kanals hatten Vereine, Verbände und Organisationen ein Erntefest organisiert. Die Trommelschule der Stecknitzschule war ebenso vertreten wie der Musikzug der Feuerwehr. Die “LineDancers” und die “Durchstarten” waren ebenso mit von der Partie wie das Team von segensreich, die den Besuchenden Schnittchen schmierten und Segen verteilten.
Am Ende des Landeserntedankfestes mit insgesamt 3000 Besuchenden zog Pastor Jaan Thießen ein rundum zufriedenes Resümee: “Das war ein richtig schöner Tag und ich danke allen, die dies möglich gemacht haben, von ganzem Herzen.”